Mountainbiken auf der Death Road in Bolivien

Von Tim Kroeger August 5, 2019 Abenteuer, Bolivien, Radfahren, Südamerika, UTCC Neuigkeiten

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Tief in den Anden schlängelt sich Bolivien’s Death Road entlang gigantischer Felswände und schlecht einsehbaren Kurven.

Auf einer Seite der schmalen Straße ragen steile Felsen und Berge Hunderte von Metern in die Luft.

Auf der anderen Seite gibt es nichts als leere Luft und einen Kilometer langen freien Fall, den niemand überleben kann.

Schau:

Die Death Road, Bolivien, oder offiziell Yungas Road, Bolivien, bekommt seit ihrer Ernennung zu einer der gefährlichsten Straßen der Welt im Jahr 1995 regelmäßig internationale Aufmerksamkeit.

Yungas Road Bolivien – Die Death Road

In den 1930er Jahren baute die bolivianische Regierung die Straße mit paraguayischen Kriegsgefangenen, die während des Chaco-Krieges gefangen genommen wurden. Nach Fertigstellung bestand die Straße aus nur einer schmalen Fahrbahn. Es gab weder Leitplanken noch war die Straße asphaltiert.

Durch das Fehlen einer Entwässerungsinfrastruktur kam es zudem immer wieder zu Schlammlawinen und Erosionen.

Trotzdem war die Todesstraße für die nächsten 80 Jahre die einzige Verbindung zwischen der Stadt La Paz und der Stadt Coroico. Infolgedessen war die Straße ständig stark befahren und forderte dabei über die Jahre Tausende von Menschenleben.

Wie hat die Death Road ihren Namen bekommen?

death road south america
Death Road Bolivia

Die Death Road hat ihren Namen wegen der fast unmöglich hohen Anzahl an Toten erhalten, die es im Laufe der Jahre gab. Noch Mitte der neunziger Jahre kamen 200 bis 300 Autofahrer pro Jahr von der Straße ab und stürzten die Klippe hinunter – das bedeutet fast ein Todesfall pro Tag!

Einer der schlimmsten Unfälle, der auf ewig in bolivianischer Erinnerung bleiben wird und derjenige, der den Ruf von der Yungas-Straße als gefährlichste Straße Boliviens festigte, ereignete sich am 24. Juli 1983.

An diesem Tag forderte die Straße über 100 Menschenleben, als ein überfüllter Bus vom Berg rutschte und ein schreckliches Ende fand.

Zum Glück wurden die tödlichen Straßenverhältnisse in den letzten 20 Jahren verbessert.

In den späten 2000er Jahren hat eine neue Yungas-Straße Teile der ursprünglichen Death Road ersetzt. Die neue Straße hat zwei breite Fahrbahnen, Leitplanken und Entwässerungsgräben.

death road la paz
Oben, auf über 4.500 Metern war es richtig kalt.

Die Architekten der neuen Straße entschieden sich dafür, den gefährlichsten Teil der alten Todesstraße zu umgehen. Sie haben den neuen Abschnitts entlang eines anderen, weniger berüchtigten Passes gebaut.

Infolgedessen wird die ursprüngliche Todesstraße heute hauptsächlich von Einheimischen frequentiert, die in abgelegne Orte müssen, die ausschließlich über die alte Straße erreicht werden können.

Der Ruf der Death Road zieht mittlerweile eine ganz andere Art von Reisenden an – den Adrenalin geladenen Abenteurer, der hofft, die gefährlichste Radtour der Welt zu überleben.

Wie wählt man den richtigen Veranstalter?

south yungas road
Start unserer Mountainbike tour auf der Death Road in Bolivien.

Wenn du das Schicksal herausfordern und die Death Road mit dem Fahrrad herunterfahren möchtest, musst du zunächst den richtigen Veranstalter wählen.

Es gibt mehrere Unternehmen, die Abenteuertouren auf der Death Road anbieten. Fast alle haben ihren Sitz in der bolivianischen Stadt La Paz. Die Tourpreise variieren je nach Veranstalter sehr deutlich. Die Preisspanne liegt zwischen 50 USD bis 150 USD.

Angesichts des berüchtigten Rufs der Death Road wollte ich kein zusätzliches Risiko eingehen. Erfahrene Guides und gute Ausrüstung waren mir sehr wichtig. Aus diesem Grund habe ich mich für eine der renommiertesten Firmen in der Region entschieden: Gravity Bolivia.

bolivia death road bike ride

Von allen Unternehmen, die Death Road-Fahrradtouren anbieten, ist Gravity am längsten im Geschäft. Und während der Tour konnte ich sehen warum. Die Guides waren sehr professionell und die Bikes waren hochwertig und hervorragend gepflegt und gewartet.

Das Team hat sich alle Mühe gegeben, um sicherzustellen, dass wir alle am Ende des Tages gesund zurück kommen. Die Fahrräder hatten ausgezeichnete, gut kalibrierte Bremsen und es wurden Helme und Schutzausrüstung bereitgestellt.

Unsere Guides haben sogar vor besonders gefährlichen Straßenabschnitten angehalten, um detaillierte und klare Sicherheitsanweisungen zu geben.

Die Tour

cycling death road bolivia
Letztes Foto, bevor wir die eigentliche Death Road herunterfahren

Die Tour ging sehr früh morgens in La Paz los. Zu acht (fünf Abenteurer und drei Guides) haben wir uns in einem Van auf den Weg zum höchsten Punkt der Death Road auf über 4,600 Metern gemacht.

Die Fahrt zum Startpunkt dauerte ungefähr eine Stunde. Mit jedem Höhenmeter wich der einst dichte Dschungel majestätischen Bergen. Die Aussicht würde normalerweise ausreichen, um jeden Besucher zu unterhalten. Wir wurden alle langsam etwas nervös und fragten uns, worauf wir uns eingelassen hatten.

Oben angekommen, auf fast 5000 Metern über dem Meeresspiegel, begann unser großes Abenteuer. Wir stiegen aus, streckten die Beine aus, überprüften ein letztes Mal unsere Fahrräder und fuhren dann die schmale Bergstraße hinunter.

Zum Glück waren die ersten Kilometer der Strecke asphaltiert. Relativ schnell haben wir aber den interessanten Teil der alten Todesstraße erreicht, der sich seit fast einem Jahrhundert nicht mehr wesentlich verbessert hat.

dangerous highway

Die nächsten 40 Kilometer fuhren wir im felsigen, nassen Dreck der gefährlichsten Straße der Welt bergab.

Ich habe keine Höhenangst, aber da der Rand der Klippe nur wenige Meter entfernt war und der Boden einen Kilometer darunter lag, war es schwierig, die weiten Täler und die atemberaubende, beeindruckende natürliche Schönheit zu sehen und zu genießen.

Als wir uns jedoch an die vielen Furchen, Felsen, engen Kurven und das allgegenwärtige Gefälle der Straße gewöhnt hatten, begannen wir uns zu entspannen.

Obwohl Gravity seine Touren auf Adrenalin-Junkies ausrichtet, bietet die Fahrt einige der besten Aussichten in Südamerika.

Die Straße führte uns hinter Wasserfälle, die aus Hunderten von Metern Höhe den Berg hinunterstürzten. Während der fünfstündigen Fahrt sind wir knapp 2.000 Höhenmeter bergab gefahren: von steilen Berggipfeln und kalter, dünner Luft durch glühenden Dschungel und dichten Regenwaldnebel.

Es war eine atemberaubende Erfahrung!

bolivia road

Unsere Guides haben uns gerne ihre Lieblingsaussichtspunkte gezeigt. Wir haben oft angehalten, um Fotos zu machen und einen Blick auf die unversöhnliche Wildnis zu werfen.

Die Guides haben während der ganzen Tour Fotos gemacht, die Gravity uns allen kostenlos über Dropbox zur Verfügung gestellt hat.

Trotzdem war es nicht nur Spaß und Spiel. Die Gefahr, über die Klippe zu stürzen war immer reell. Bei meiner Recherche im Vorfeld habe ich gelesen, dass es teilweise über 1000 Meter herunter geht.

death of road
Teamfoto

Ich hatte keine Vorstellung davon, wie ein Kilometer freier Fall aussieht. Diese Tiefe zu sehen war unwirklich für mich. Entlang der Strecke haben wir viele Kreuze gesehen. Denkmäler für geliebte Menschen, die auf der Death Road ihr Leben gelassen haben.

Als wir die bolivianischen Stadt Coroico erreicht haben, das Ende der Tour, waren wir begeistert, aber auch erschöpft und mehr als ein bisschen erleichtert.

Wissenswertes über die Death Road Tour

Auf dem Papier scheint das Radfahren auf der Todesstraße nicht schwierig zu sein. Ja, mit 40 Kilometern ist es eine längere Fahrt als die meisten Nicht-Radfahrer gewohnt sind, aber es geht ja fast ausschließlich bergab.

Selbst wenn du also kein gut trainierter Radfahrer bist, kannst du die Strecke auf jeden Fall schaffen, vorrausgesetzt, du hast keine Höhenangst.

yungas road map

Hier noch ein paar Dinge, die du vor deinem Besuch der Death Road unbedingt wissen solltest.

1. Es ist ein anstrengender Tag!

Radfahren auf der Todesstraße mit Hangover, nach einer langen Partynacht, kann ich dir absolut nicht empfehlen! Viele Touren starten vor Sonnenaufgang in La Paz und kehren erst nach Einbruch der Dunkelheit zurück.

Darüber hinaus bist du den größten Teil des Tages einer enormen physischen und psychischen Belastung ausgesetzt. Stell also sicher, dass du gut ausgeruht bist und informiere dich im Vorfeld genau, damit du eine bessere Vorstellung davon hast, was dich erwartet.

2. Achte darauf, Schichten zu tragen. Zwiebellook ;)

Los geht es auf einer Höhe von 4.700 Metern. Am Ende sind es ungefähr 2.000 Höhenmeter weniger!

Anfangs kann die Luft kalt und betäubend sein…

Einige Stunden später bist du jedoch von drückender Feuchtigkeit und dichtem Regenwald umgeben. Trage am besten ein oder zwei Thermosachen unter deiner Regenjacke, die du einfach ausziehen kannst, wenn es zu heiß wird.

3. Die Todesstraße hat ihren Namen nicht ohne Grund bekommen.

Der größte Teil der Straße ist nicht asphaltiert. Es gibt viele Unebenheiten, nasse Stellen, große Steine und Löcher, die du bei zu hohem Tempo unter Umständen nicht rechtzeitig siehst. Es gibt keine Leitplanken und keinen doppelten Boden. Nichts außer dein gesunder Menschenverstand und deine Bike Skills können dich sicher nach unten bringen!

Die Regeln der Todesstraße

worlds deadliest roads

Eine interessante Regel ist, das man auf der Todesstraße links fährt. Auf allen anderen Straßen in Bolivien gilt rechts Verkehr!

Der Grund ist, dass bergabfahrende Fahrer die Kurven so besser einsehen können. Außerdem sitzt der Fahrer ja auch links und hat so den Abgrund besser im Blick. Ein weiterer Grund ist, dass die Fahrbahn auf der Felsnahen Seite besser ist und bergauf fahrende Fahrzeuge so eine bessere Bodenhaftung haben.

Es heisst also deinen Instinkt zu besiegen und näher an der Klippe als am Berg zu fahren. Überholende Fahrer werden es dir danken, da die Überholvorgänge so deutlich sicherer sind.

Noch eine Anmerkung: Obwohl die Straße deutlich weniger befahren ist als früher, kannst du trotzdem jederzeit auf andere Fahrzeuge stoßen.

In diesem Fall ist es am besten, vorhersehbar zu fahren und keine plötzlichen Bewegungen zu machen. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass dir in einer scharfen Kurve Verkehr entgegen kommt. Fahr also in den Kurven langsam.

Death Road Statistiken

dead road bolivia

Obwohl es nicht möglich ist, dich auf jede Situation vorzubereiten, geben dir die Statistiken und Zahlen doch eine recht gute Vorstellung was dich erwartet.

1 Fahrbahn— Der größte Teil der alten Straße ist nur für ein einziges Fahrzeug breit genug. Das macht das Überholen immer gefährlich und nur auf bestimmten Abschnitten überhaupt möglich.

900 Meter Freier Fall— Auf den steilsten und höchsten Abschnitten geht es fast einen Kilometer im Freien Fall bergab!

300 Tote— Die durchschnittliche Anzahl der Verkehrsteilnehmer, die jedes Jahr auf der Death Road ums Leben gekommen sind. Insgesamt hat die Straße Tausende von Menschenleben gefordert.

22 Tote — Die Anzahl der Radfahrer, die seit 1998 auf der Straße gestorben sind.

Ist die Death Road noch immer so gefährlich?

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Die kurze Antwort: Absolut.

Aber in Wirklichkeit stehen die Chancen sehr gut, dass du überleben wirst.

Seit 1998 wurden 22 Todesfälle durch Radfahrer dokumentiert (durchschnittlich ein Todesfall pro Jahr). Ein Großteil der Todesstraße ist nach wie vor unbefestigt und genauso gefährlich wie 1995, als sie den Titel der gefährlichsten Straße der Welt erhielt.

Dank einer neuen und viel sichereren Umgehungsstraße zwischen La Paz und Coroico kommen heutzutage zum Glück deutlich weniger Menschen auf der Straße ums Leben.

Wenn du eine Radtour auf der Death Road planst, wähle am besten einen guten Veranstalter mit modernen Fahrrädern, zertifizierter Sicherheitsausrüstung und sachkundigen Führern.

Wenn du schon länger nicht mehr Fahrrad gefahren bist, solltest du dich auf jeden Fall auf einer weniger tödlichen Strecke vorbereiten.

Mehr Fotos von der Tour

Vorbereitung der Ausrüstung für unsere Tour
Teambriefing
Ready to go

Dieser Beitrag ist auch verfügbar in: enEnglisch

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