Vanlife – mein Traum – oder doch nicht?!

Von Tim Kroeger Juni 24, 2019 Gastartikel, Lifestyle, Vanlife

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Mein Traum ist es mit einem Camper Van durch die Welt zu reisen und jeden Morgen mit einer wunderschönen Aussicht aufzuwachen. Um nicht ganz unvorbereitet in das neue Abenteuer zu starten, habe ich andere Reiseblogger nach ihren Vanlife Erfahrungen gefragt. Heute berichtet Barbara von ihrer ersten Reise in einem Van.

Geschrieben von Barbara Röss

YouTube ist schuld!

Ja, ehrlich.

YouTube hat mich im Laufe der letzten Jahre auf den Trichter gebracht, dass ich mein altes, schönes, gesetztes Leben auf Mallorca hinter mir lassen und lieber in einem Van leben sollte. Der Vanlife Virus zog mich immer mehr in seinen Bann.

Gut – ich hatte von Anfang an Zweifel, ob ich als Frau überhaupt noch ein Auge zumachen würde, aber grundsätzlich war ich überzeugt: Vanlife ist mein Traum. Da will ich hin. Das will ich machen.

Monatelang schaute ich mir Vanlife Videos auf YouTube an.

Wie baue ich meinen Van aus? Welches Modell soll es sein? Ja sogar mit der Frage, ob ich eine Toilette und/ oder Dusche brauche, habe ich mich monatelang beschäftigt.

Ich zeichnete Ausbaupläne, stellte Einkaufslisten zusammen. Meine Freunde waren genervt, weil ich von nichts anderem mehr sprach. Doch dann – nur Stunden bevor ich den Kaufvertrag für einen sauteuren Sprinter unterzeichnen wollte, kam mir ein Gedanke:

Was, wenn Vanlife doch nichts für mich ist?!

Vanlife-Testtour-Van-am_Stausee
Vanlife-Testtour

Plötzlich wurde mir klar: Ich war in meinem ganzen Leben nur ein einziges Mal Campen – und fand es furchtbar.

Dann war ich noch einmal für zwei Nächte in einem Wohnwagen und auch das fand ich schrecklich. Die Stimme der Vernunft wurde laut. Sehr laut.

Mein Bauchgefühl sagte mir: “Chica: Du musst Vanlife erstmal ausprobieren!” Ich entschied mich also für eine Testwoche in einem gemieteten Van. In Nordspanien. Im Winter. Allein. 

Nur eine Woche? Ja, ich bin jemand, der relativ schnell merkt, ob etwas passt oder nicht. Eine Woche sollte mir reichen. Außerdem wollte ich nicht so viel Geld ausgeben, bevor ich meinen Sprinter kaufe. 

Die Anmietung des Vans

Ich fand relativ schnell ein sehr gutes Portal (yescapa.es) für Van- und Camper-Anmietung in Spanien und bekam gleich nach der Buchung Muffensausen.

Die Liste der Erklärungen war über 20 Seiten lang und auf Spanisch. Ich spreche Spanisch, aber diese Vokabeln hatte ich alle noch nicht gehört.

Da stand was von Gasflasche austauschen und wenn die Heizung nicht mehr läuft, was man dann machen muss. Langsam entwickelte sich ein flaues Gefühl im Magen.

Mein erstes Mal – Nordspanien mit dem Van

sdr

Da ich mich von nichts und niemandem – auch nicht von anfänglicher Angst – von irgendetwas abhalten lasse, flog ich also nach Barcelona.

Nach einer kleinen Odysee mit Bussen und Bahnen kam ich am Anmietungsort an und wurde von Jesus – dem netten Vermieter – in Empfang genommen.

In super schnellem Spanisch erklärte er mir alles. Ich versuchte mir alles zu merken … aber da gab es so viel. Wasser einfüllen hier, die Chemikalie ins Klo da – aber nicht zu viel, Gas hier, Probleme mit der Heizung hier und da.

Mein Kopf rauchte. Wie sehr hätte ich mir gewünscht, dass noch ein weiteres Paar Augen und Ohren dem Vermieter zugehört hätten. Aber gut – was nicht ist, das ist nicht. 

Ich entschied mich dazu, da es schon ziemlich spät war als Jesus mich verließ, mit meiner kleinen Hundedame Elfie die erste Nacht erst einmal am Ort zu bleiben.

Es gab einen Parkplatz, der für Wohnmobile ausgeschildert war. Ich fand ihn zwar ohne Probleme, aber Platz war keiner für mich da.

Offenbar kann man auch im Hinterland von Barcelona nicht einfach am späten Abend erwarten, noch einen Stellplatz zu finden. Ich parkte notgedrungen am Straßenrand in einem Industriegebiet und wollte mich einrichten.

Ich zog allen Sichtschutz zu und fühlte mich sonderbar, denn jetzt konnte mich zwar niemand mehr sehen, aber ich konnte auch nicht sehen, was um mich herum geschah.

Ich verschloß alles und begann auszupacken. Ich aß etwas. Ging mit Elfie noch eine Runde Gassi – in dieser wenig idyllischen Gegend – und legte mich hin.

Ich laß. Ich wurde müde – doch an schlafen war nicht zu denken. Nicht eine Minute habe ich geschlafen. Kein Auge zugetan. Während meine Hündin vor Erschöpfung genüsslich schnarchte, war ich zwar total müde, aber hellwach.

Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. “Was, wenn mich einer hier hat reingehen sehen und jetzt eine Eisensäge holt und ein Loch in den Van schneidet, um mich zu vergewaltigen?!” 

Kranke Gedanken 2.0 

Gedanken, die mir normalerweise im Leben nicht in den Sinn kommen und mit etwas Distanz betrachtet wahrscheinlich auch kompletter Schwachsinn sind, kreisten mir durch den Kopf.

Ich versuchte an Schäfchen zu denken. Keine Chance. Die Eisensäge und die bösen Menschen, die Camper vergasen und ausrauben kamen mir immer wieder in den Sinn. 

Noch in der Nacht fasste ich einen Entschluss: Ich würde einen Freund fragen, ob er spontan den Rest der Woche mit mir verbringt. Dieser Van war zu teuer um die Woche nicht zu genießen.

Wahre Freunde sind beim Vanlifen eine Wohltat

Mein Kumpel Reduan war zu dem Zeitpunkt ohne Arbeit und kam noch am nächsten Tag eingeflogen. Ich musste ihm den Flug bezahlen. Aber das war mir die Sache wert.

Ich holte ihn mit dem Van vom Flughafen ab und konnte endlich entspannen. Genau genommen fuhren wir genau 80 km, bevor ich mich auf einen Rastplatz stellen und erstmal schlafen musste.

Die erste Nacht mit Schlaf

In Gesellschaft gelang es mir tatsächlich am nächsten Abend sofort einzuschlafen. Draußen war es bitterkalt. Minus 7 Grad! Drinnen muckelig warm. Dank der super Gasheizung. Ich war beeindruckt.

Was so ein Van alles kann. Einziges Problem: Um 2:30 Uhr war die Nacht zu Ende. Wir wurden wach, weil es schrecklich kalt geworden war in unserem Van. Die Heizung war aus. Das Lämpchen für „Die Gasflasche ist leer“ blinkte fröhlich.

Mitten in der Nacht versuchten wir also die Gasflasche zu wechseln. Was uns mit eisigen Fingern und viel Glück auch gelang, nur um dann festzustellen, dass der Vermieter uns zwei leere Flaschen an Bord gelassen hatte.

Die einzige Alternative um hier auf diesem zugigen Berg nicht zu erfrieren war – den Wagen anmachen. Wir entschieden uns also den Motor laufen zu lassen und so das Fahrzeug wenigstens ein bisschen zu heizen.

So richtig klappen wollte das nicht. Um 6 Uhr gaben wir auf und suchten die nächste Tankstelle.

Die kleinen Tücken des Campervans – Gasflasche ist nicht gleich Gasflasche

Was man als Laie oft nicht weiß, lernt man auf die harte Tour. Wir wussten zum Beispiel nicht, dass es alte und neue Systeme von Gasflaschen gibt. Grundsätzlich kein Problem – außer wenn die neuen Gasflaschen nicht in die dafür vorgesehene Klappe passen und man vier (!) Stunden nach einer Tankstelle suchen muss, die noch das alte System verkauft.

Natürlich ist das ein Problem, das man nur einmal hat, denn dann kennt man sich aus. Dennoch war ich wieder einmal froh, dass ich diese Episode nicht alleine durchleben musste.

Die schöne Seite des Vanlife Tests

So spannend viele der Touren auch waren – spannend vor allem aufgrund der Größe des Vans – so schön war die Umgebung.

Wir fanden traumhafte Spots an Stauseen, wo wir im Januar mutterseelenallein am Ufer standen und vor Idylle kaum den Fotoapparat aus der Hand legen konnten.

Spannend aber auch, weil nie klar war: Wo können wir wirklich parken?! Oft waren Fahrzeuge der Kategorie unseres Mietvans verboten.

Vor allem an der Küste standen wir immer häufiger vor Schildern, die uns die Einfahrt in die Strandzonen verboten. Wildcampen ging an der Küste fast gar nicht. Im Hinterland deutlich besser.

Witziger fand ich tatsächlich die Camperstellplätze – allein schon, weil man so viele interessante Menschen traf.

Solche Plätze waren allerdings immer mit Extrakosten verbunden, die ich ehrlich gesagt nicht in mein Budget eingerechnet hatte. Nun gut – es gab dann halt etwas häufiger selbstgekochtes … 

Fazit nach einer Woche Vanlife

Die Zeit war spannend – schön – aber vor allem stressig. Plätze finden, an denen man parken durfte, die trotzdem einigermaßen schön waren verschlang derartig viel Zeit, dass wir in der einen Woche nicht wirklich weit gekommen sind.

Apps wie “park4night” waren dabei besonders hilfreich. Ohne die wären wir aufgeschmissen gewesen.

Wir haben wirklich schöne Orte gesehen, doch unterm Strich bleibt vor allem eine Erkenntnis hängen: Ich könnte mich ans Leben im Van gewöhnen.

Alleine? Vermutlich nicht.

Zu zweit? Auf jeden Fall!

Der geringe Platz stört mich nicht. Die Fahrerei auch nicht. Rückwärts einparken mit Van – kein Problem. Wer aber überhaupt nicht mit dem Leben auf der Straße klar gekommen ist, war meine Hündin Elfie.

Elfie ist kein Vanlife Hund

Ich fand die kleine Ratero-Hündin vor gut fünf Jahren im Müll auf Mallorca. Sie ist zuhause ein völlig tiefenentspannter Hund, doch sie ist an jedem Stopp fast schon verzweifelt. 

Ihre Markierungen waren alle weg und sie kannte die Gerüche rund um unser “Zuhause” nicht. Sie weinte, wenn wir sie kurz allein im Wagen zurückließen, um z.B. auf´s Klo zu gehen und war sichtlich gestresst.

Sie musste beim Autofahren brechen (was sie sonst nicht tut), sie hatte jede Nacht Durchfall (nicht schön in einem Van!) und weinte fast 15 Minuten lang vor Freude, als sie endlich wieder zuhause auf ihrer Couch lag.

Elfies Antipathie gegen Campervans ging soweit, dass sie den Van von meinem Bekannten noch nicht mal zur Besichtigung betreten wollte.

So kam ich zu dem Schluß: Solange es diesen Hund gibt, bleibe auch ich mit dem Hintern zuhause.

Wenn meine kleine Elfie irgendwann nicht mehr ist, gibt es jetzt auch jemanden an meiner Seite, neben dem ich dann hervorragend schlafen könnte. Vanlife ist also nicht abgeschrieben, aber definitiv erst einmal vertagt! 

Barbara Röss ist Blogger, Journalistin, Buchautorin und Speaker. Sie lebt auf Mallorca und schreibt dort ihren Blog www.mallorca-talks.com über die wahren Schätze der Insel jenseits von Ballermann und Massentourismus. 

Auf Facebook, Instagram und Twitter kannst du ihr folgen und miterleben, was sie für Besonderheiten über Mallorca auftut. 

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